Morgens flach, abends schwanger – der Blähbauch, über den keiner redet

Ich habe monatelang gedacht, ich hätte zugenommen.
Morgens sah ich normal aus. Abends passte die Hose nicht mehr zu. Nicht ein bisschen enger – richtig nicht mehr zu. Und am nächsten Morgen war alles wieder weg.
Zunehmen funktioniert nicht so. Zunehmen passiert über Wochen, nicht über einen Nachmittag. Ich habe trotzdem eine ganze Weile gebraucht, bis ich das verstanden habe.
"Du isst halt zu viel"
Das war die erste Erklärung, die ich für mich selbst hatte. Also habe ich weniger gegessen. Hat nichts geändert.
Dann war es das Brot. Also weniger Brot. Auch nichts.
Dann war es Stress, Alter, Bewegungsmangel, alles gleichzeitig. Ich habe eine Zeit lang jeden Abend im Spiegel gestanden und versucht herauszufinden, was ich falsch mache.
Dass es mit den Hormonen zu tun haben könnte, kam mir nicht in den Sinn. Ich war Mitte vierzig. Wechseljahre, das waren Hitzewallungen und das Ende der Periode.
Nichts davon hatte ich.
Was tatsächlich passiert
In den Jahren vor der Menopause schwankt der Östrogenspiegel. Nicht gleichmäßig abfallend, wie man es sich vorstellt – eher hoch und runter, unregelmäßig, manchmal über Wochen.
Östrogen und Progesteron wirken auch auf die Verdauung. Sie beeinflussen, wie schnell sich der Darm bewegt und wie viel Wasser der Körper einlagert. Wenn diese Hormone schwanken, schwankt die Verdauung mit.
Das Ergebnis ist kein Fett. Es ist Luft und Wasser. Deshalb ist es morgens weg und abends wieder da. Deshalb ändert weniger essen nichts.
Ich schreibe das so ausführlich, weil mir das damals niemand gesagt hat. Nicht die Frauenärztin, nicht das Internet, nicht die Ratgeber. Überall stand etwas über Hitzewallungen. Über den Bauch stand nichts.

Was bei mir tatsächlich etwas gebracht hat
Vorweg: Ich bin keine Ärztin, und was bei mir hilft, muss bei dir nicht helfen.
Wenn der Bauch dauerhaft dick ist statt abends dick, wenn Schmerzen dazukommen oder sich etwas verändert, gehört das abgeklärt. Blähbauch ist harmlos, andere Sachen sind es nicht.
Was ich verändert habe:
Langsamer essen.
Klingt banal, war bei mir der größte Hebel. Ich habe mittags am Schreibtisch gegessen, in acht Minuten, nebenbei. Dabei schluckt man Luft. Seit ich mir zwanzig Minuten nehme, ist der Abend anders.
Weniger Rohkost am Abend.
Der große Salat abends war für mich das Gegenteil von leicht. Mittags kein Problem, abends lag er stundenlang. Gekochtes Gemüse geht deutlich besser.

Kohlensäure weglassen.
Ich habe jahrelang Sprudel getrunken. Der Umstieg auf stilles Wasser hat mehr gebracht, als ich erwartet hatte.
Nicht mehr alles gleichzeitig weglassen.
Ich hatte irgendwann Brot, Milchprodukte und Zwiebeln gestrichen und wusste danach genau nichts. Wenn du etwas testen willst, dann eins nach dem anderen, jeweils zwei Wochen.
Was ich nicht gemacht habe: eine Diät. Der Bauch war nie ein Kalorienproblem, und ihn wie eins zu behandeln hat die Sache nur schlimmer gemacht – für den Bauch und für den Kopf.
Noch mal zurück zum Brot
Ich hatte oben geschrieben, dass Brot weglassen nichts geändert hat.
Das stimmt – aber es war die falsche Frage.
Die richtige war: welches Brot.
Was in Weizen für viele schwer verdaulich ist, sind bestimmte Mehrfachzucker. Bei einem Teig, der lange geht – über Stunden statt über eine halbe – bauen die Bakterien einen Teil davon schon vorher ab.
Deshalb vertragen manche Menschen ein Sauerteigbrot, das zwölf Stunden Zeit hatte, deutlich besser als ein Brot aus dem Supermarktregal, das in anderthalb Stunden fertig war.

Das ist keine Heilung und kein Versprechen. Aber es ist der Unterschied zwischen "Brot geht nicht mehr" und "so gebackenes Brot geht".
Ich habe angefangen, mich damit zu beschäftigen, und bin gerade dabei, es selbst zu probieren. Sobald ich mehr sagen kann als "scheint zu funktionieren", schreibe ich darüber.
Was ich mir gewünscht hätte
Dass mir jemand mit 45 gesagt hätte: Das ist normal. Das ist nicht dein Versagen. Das ist keine Zunahme, das ist eine Verdauung, die gerade unter anderen Bedingungen arbeitet.
Ich hätte mir zwei Jahre Selbstvorwürfe gespart.
Wenn du gerade abends vor dem Spiegel stehst und dich fragst, was du falsch machst: wahrscheinlich nichts.



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